Auftaktveranstaltung zur Frauenberatung des Ärztenetzes BOHRIS mit rund 80 Gästen bei einem Fachvortrag in Bocholt

Rund 80 Gäste aus Medizin, Beratung, Polizei und Sozialarbeit verfolgen die Vorträge bei der Auftaktveranstaltung zur neuen Frauenberatung in Bocholt.

03.13.2026

Große Resonanz auf Auftaktveranstaltung – neue Frauenberatung startet am 18.03.2026 in Bocholt

Mit großer Beteiligung ist das neue Beratungsangebot für Frauen in Bocholt vorgestellt worden. Rund 80 Gäste aus unterschiedlichen Bereichen – darunter Medizin, Beratung, Polizei, Sozialarbeit, Verwaltung sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung des Ärztenetzes BOHRIS zur Auftaktveranstaltung.

Im Mittelpunkt des Projekts steht eine neue Außensprechstunde der Frauenberatungsstelle „Frauen für Frauen e. V.“, die jeden dritten Mittwoch im Monat von 13 bis 15 Uhr im Europahaus Bocholt (Raum Italien) stattfinden wird. Der Starttermin ist Mittwoch, der 18. März 2026. Eine Anmeldung zur Beratung ist erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich.

Das Ärztenetz BOHRIS finanziert die neue Außensprechstunde zunächst für ein Jahr, um die ganzheitliche Gesundheitsversorgung von Frauen in der Region zu stärken. Während in Arztpraxen naturgemäß vor allem medizinische Aspekte im Mittelpunkt stehen, bleiben die psychosozialen Lebenssituationen von Frauen im Praxisalltag häufig nur begrenzt im Blick. Die Frauenberatungsstelle setzt genau an dieser Stelle an und bietet ergänzende Unterstützung.

Mit der neuen Außensprechstunde wird das bestehende Angebot der Beratungsstelle in Ahaus um eine wohnortnahe persönliche Beratung in Bocholt erweitert. Ergänzend stehen weiterhin eine telefonische sowie eine Online-Beratung zur Verfügung. Zudem gibt es bereits eine Außensprechstunde in Borken (jeden ersten Mittwoch im Monat von 13 bis 15 Uhr).

Niedrigschwellige Beratung durch erfahrene Fachkräfte

Die Beratung wird vom Verein Frauen für Frauen e. V. durchgeführt. Die Fachstelle arbeitet mit Diplom-Sozialpädagoginnen/Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen, die Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten und unterstützen.

Das Beratungsangebot richtet sich an Frauen ab 16 Jahren sowie an alle Menschen, die sich als Frau definieren. Frauen können sich mit sehr unterschiedlichen Anliegen an die Beratungsstelle wenden – etwa bei belastenden Lebenssituationen, persönlichen Krisen, Konflikten im privaten oder beruflichen Umfeld, Fragen rund um Trennung oder Neuorientierung oder schwierigen Erfahrungen in Beziehungen. Auch Gewalterfahrungen können Thema der Beratung sein – unabhängig davon, ob sie körperlicher, emotionaler, digitaler oder sexualisierter Art sind.

Darüber hinaus bietet die Beratungsstelle psychosoziale Prozessbegleitung für Frauen an, die Opfer einer Straftat geworden sind. Zwei der Mitarbeiterinnen sind dafür speziell qualifiziert und begleiten Betroffene auf Wunsch durch das gesamte Ermittlungs- und Gerichtsverfahren.

Ein bewegendes Beispiel aus der Beratungspraxis

Zu Beginn der Veranstaltung schilderte Kerstin Heggemann, Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin des Vereins Frauen für Frauen e. V., ein anonymisiertes Fallbeispiel aus ihrer Beratungspraxis.

Sie berichtete von einer Frau, die nach einer langen, von Gewalt geprägten und emotional zermürbenden Beziehung schließlich den Weg zur Beratungsstelle fand. Während dieser Schilderung wurde es im Raum spürbar still. Viele der Anwesenden reagierten sichtbar bewegt. Die Geschichte löste Betroffenheit aus und sensibilisierte zugleich für Lebensrealitäten, die häufig im Verborgenen stattfinden – mitten in der Gesellschaft und oft ohne, dass das Umfeld davon erfährt.

Das Beispiel machte deutlich, wie schwierig es für Betroffene sein kann, sich aus belastenden und toxischen Beziehungssituationen zu lösen. Gleichzeitig zeigte es, welche wichtige Rolle Beratung dabei spielen kann, Schutz zu finden, neue Perspektiven zu entwickeln und Schritt für Schritt wieder Stabilität aufzubauen.

Gemeinsame Verantwortung: Schutz von Frauen braucht starke Netzwerke

Einen weiteren wichtigen Beitrag leistete Dagmar Reimer, Kriminalhauptkommissarin und Expertin für Prävention und Opferschutz im Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz des Kreises Borken. In ihrem Vortrag über die polizeiliche Arbeit stellte sie auch die Vernetzung der verschiedenen Hilfesysteme in den Mittelpunkt. Polizei, Beratungsstellen, medizinische Einrichtungen, soziale Träger und zivilgesellschaftliche Akteure müssten eng zusammenarbeiten, um betroffene Frauen wirksam unterstützen zu können.

Der Schutz von Frauen sei dabei keine Aufgabe einzelner Institutionen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die nur gemeinsam getragen werden könne.

Frauenhaus Bocholt stellt eigenes Unterstützungsangebot vor

Auch das Frauenhaus Bocholt stellte seine Arbeit vor. Silke Hempen, Leitung des Frauenhauses, berichtete über Schutz- und Beratungsangebote für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Dabei geht es nicht nur um körperliche Gewalt, sondern auch um psychische und ökonomische Gewalt, die häufig weniger sichtbar, aber ebenso belastend sein können.

Regelmäßige Beratung zu Themen der häuslichen Gewalt findet im CaritasCentrum Bocholt – Familieninformationszentrum statt:

CaritasCentrum Bocholt, Nordwall 44–46, 46399 Bocholt

Montag: 10:00 – 11:30 Uhr

Donnerstag: 16:30 – 18:00 Uhr

Codewort „ANNA“: Spurensicherung ohne sofortige Anzeige

Ein weiterer wichtiger Baustein in diesem Kontext der regionalen Unterstützung ist die Anonyme Spurensicherung (ASS) im St.-Agnes-Hospital Bocholt.

Betroffene von körperlicher oder sexualisierter Gewalt können dort mit dem Codewort „ANNA“ eine medizinische Untersuchung und Spurensicherung durchführen lassen – auch dann, wenn sie sich noch nicht für eine Anzeige entscheiden möchten.

Gerade bei solchen Straftaten gibt es häufig keine Zeugen. Deshalb ist es wichtig, mögliche Spuren möglichst frühzeitig medizinisch sichern zu lassen. Dabei werden Verletzungen dokumentiert und mögliche DNA-Spuren gesichert. Diese Beweise werden gerichtsfest für bis zu zehn Jahre aufbewahrt.

Betroffene haben dadurch Zeit, in Ruhe zu entscheiden, ob sie später Anzeige erstatten möchten. Erst wenn sie sich innerhalb dieser Frist dafür entscheiden, werden die gesicherten Spuren für ein Strafverfahren genutzt.

Kontakt

St.-Agnes-Hospital Bocholt

Barloer Weg 125

46397 Bocholt

Telefon: 02871 – 200

Codewort: ANNA

Pressekontakt: Sarah Underberg – sarah.underberg@bohris.net – Tel.: 0151 728 77 0 99