Frauen sollen Unterstützung künftig einfacher, wohnortnah und ohne große Hürden erreichen können: Das Ärztenetz BOHRIS unterstützt gemeinsam mit dem Verein Frauen für Frauen e. V. ein neues Beratungsangebot, das ab dem 18. März 2026 in Bocholt startet. Ziel ist es, die psychosoziale Versorgung in der Region gezielt zu stärken und Frauen aus Bocholt und Umgebung eine vertrauliche, kostenfreie und niedrigschwellige Beratung direkt vor Ort zu ermöglichen.
Die persönliche Außensprechstunde findet künftig jeden dritten Mittwoch im Monat von 13 bis 15 Uhr im Europahaus Bocholt (Adenauerallee 59, Raum Italien) statt. Eine vorherige Terminabsprache ist erwünscht. Damit wird das bestehende Beratungsangebot des Vereins erstmals dauerhaft um persönliche Beratungstermine in Bocholt erweitert und wohnortnah zugänglich gemacht. Damit reagieren die Projektpartner auf einen deutlich gewachsenen Bedarf an wohnortnaher Unterstützung und schaffen eine wichtige Ergänzung zu bestehenden medizinischen und sozialen Versorgungsstrukturen.
Der Verein Frauen für Frauen e. V.
Der gemeinnützige Verein Frauen für Frauen e. V. ist seit vielen Jahren im Kreis Borken als Beratungs- und Fachstelle für Frauen tätig. Das Angebot richtet sich an Frauen ab 16 Jahren und umfasst persönliche Beratung, telefonische Beratung sowie Online-Beratung – kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.
Frauen können sich beispielsweise bei Krisensituationen, Konflikten, psychischen Belastungen, Fragen rund um Trennung und Scheidung oder anderen schwierigen Lebensphasen an die Beratungsstelle wenden. Auch Gewalterfahrungen können Thema sein – emotional, körperlich, sexualisiert oder digital. Der Verein ist dem Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW sowie dem Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) angeschlossen und Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Hauptsitz befindet sich in Ahaus, zusätzlich gibt es bereits eine Außensprechstunde in Borken.
Niedrigschwellige Beratung: Hilfe suchen darf selbstverständlich sein
Das Beratungsangebot richtet sich bewusst an Alltagssituationen, die viele Frauen betreffen können – Ziel ist es, Beratung nicht als etwas „Außergewöhnliches“ oder Problembehaftetes darzustellen, sondern als normale und hilfreiche Unterstützung in belastenden Lebensphasen.
Viele Frauen zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie befürchten, stigmatisiert zu werden oder ihre Situation als „nicht schwer genug“ empfinden. Genau hier setzt das Projekt an: Die Beratung soll frühzeitig, unkompliziert und ohne Bewertung zugänglich sein – unabhängig davon, wie groß oder klein das eigene Anliegen erscheint.
Durch das wohnortnahe Angebot und den vertraulichen Rahmen wird ein geschützter Zugang geschaffen, der Hemmschwellen abbaut und es erleichtert, Unterstützung anzunehmen, bevor sich Belastungen verfestigen. Beratung wird von uns als selbstverständlicher Bestandteil einer guten Gesundheits- und Sozialversorgung verstanden.
Hintergrund und Entstehung des Projekts
Der Impuls für das Projekt entstand im Rahmen eines Workshops für Medizinische Fachangestellte des Ärztenetzes BOHRIS zum Thema „sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz“. Im Mittelpunkt stand zunächst die Perspektive der MFAs, die in einem stark frauendominierten Berufsfeld arbeiten und im Praxisalltag sowohl fachlich als auch emotional häufig stark gefordert sind. Für Ärztinnen und Ärzte zeigt sich dabei auch die Rolle als Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber: Sie sind nicht nur medizinisch verantwortlich, sondern zugleich Arbeitgeber und Ansprechpersonen für Mitarbeitende in belastenden Situationen.
Im weiteren Austausch wurde jedoch schnell deutlich, dass sich viele der diskutierten Themen nicht ausschließlich auf das Team in den Praxen beschränken. Auch im Kontakt mit Patientinnen begegnen Ärztinnen und Ärzte regelmäßig psychosozialen Belastungen, die über die rein medizinische Behandlung hinausgehen. Arztpraxen sind damit häufig erste Anlaufstellen für Frauen in unterschiedlichen Lebenskrisen und spiegeln den Querschnitt der Stadtgesellschaft wider.
Gleichzeitig wurde klar, dass Ärztinnen und Ärzte sowohl im Umgang mit Mitarbeitenden als auch in ihrer Rolle als behandelnde Medizinerinnen und Mediziner dort an Grenzen stoßen, wo ergänzende psychosoziale Unterstützung erforderlich wird. Zwar war sexualisierte Gewalt der Ausgangspunkt des Workshops, doch die Arbeit des Vereins Frauen für Frauen e. V. umfasst deutlich mehr.
Das Projekt setzt daher gezielt an dieser Schnittstelle an: Es schafft wohnortnahe Zugänge zu Beratung, stärkt die Zusammenarbeit zwischen medizinischen und psychosozialen Akteuren und trägt dazu bei, Versorgung ganzheitlicher zu denken.
Sarah Underberg, Netzmanagerin des Ärztenetzes BOHRIS, erklärt: „Wir wollen Frauen auf mehreren Ebenen in den Blick nehmen – die vielen Frauen, die tagtäglich im Gesundheitssystem arbeiten, genauso wie die Frauen, die als Patientinnen zu uns kommen. Sie alle bringen ihre eigenen Lebensrealitäten, Belastungen und Erfahrungen mit. Unser Anspruch ist es, ein Umfeld mitzugestalten, in dem Frauen sich gesehen und ernst genommen fühlen. Umso mehr freuen wir uns, wenn sich weitere Unternehmen an der Poster-Aktion beteiligen und das Projekt als Multiplikatoren unterstützen.“
Auftaktveranstaltung: Projektstart, Information und Vernetzung
Mit einer Auftaktveranstaltung stellt das Ärztenetz BOHRIS das neue Beratungsprojekt offiziell vor und lädt zum fachlichen Austausch ein. Ziel ist es, das Angebot bekannt zu machen, bestehende Unterstützungsstrukturen sichtbar zu machen und die Vernetzung unterschiedlicher Akteure in der Region zu stärken.
- Termin: Mittwoch, 11. März 2026, 17:30 Uhr
Ort: Bürgerverein Biemenhorst, Willi-Pattberg-Ring 2, 46395 Bocholt
Da die Platzkapazitäten begrenzt sind, ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich unter:
kontakt@bohris.net
Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an medizinische Fachkreise, sondern ausdrücklich auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie an Fachkräfte aus Beratung, Sozialarbeit, Bildung, Verwaltung und weiteren angrenzenden Bereichen.
Mitwirkende Referentinnen und Referenten sind unter anderem:
- Frauen für Frauen e. V. (Vorstellung des erweiterten Beratungsangebots)
- Silke Hempen, Leitung Frauenhaus Bocholt (Schutz- und Unterstützungsangebote für Frauen und Kinder)
- Dagmar Reimer, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte, Kreis Borken (kriminalpolizeiliche Prävention und Opferschutz)
- Dr. Carsten Böing, Chefarzt der Frauenheilkunde, St.-Agnes-Hospital (medizinische Schnittstellen und anonyme Spurensicherung)
Thematisch geht es unter anderem um das neue Beratungsangebot in Bocholt, Unterstützungsstrukturen für Frauen, kriminalpolizeiliche Prävention, medizinische Versorgungswege sowie die Zusammenarbeit unterschiedlicher Hilfesysteme in der Region.
Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Antonia Giesing und Lucy Prooi. Gleichzeitig versteht sich der Abend als Plattform für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Perspektiven auf eine bessere regionale Versorgung.
Poster-Aktion: Unternehmen und Einrichtungen als wichtige Multiplikatoren
Damit das neue Beratungsangebot möglichst viele Frauen erreicht, startet begleitend eine Informationsaktion in der Region. Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen aus Bocholt, Rhede und Isselburg können kostenfrei Poster und Visitenkarten erhalten, um in ihren Räumlichkeiten auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Gerade im Arbeitsalltag, in Wartebereichen oder in öffentlich zugänglichen Räumen ergeben sich oft Situationen, in denen Informationen diskret wahrgenommen werden können. Ob in Aufenthaltsräumen, Sanitärbereichen, Beratungsstellen oder Empfangszonen – kleine Hinweise können dazu beitragen, dass Frauen Unterstützungsmöglichkeiten kennenlernen, ohne aktiv danach suchen zu müssen.
Das Ärztenetz BOHRIS versteht Unternehmen und Organisationen dabei als wichtige Multiplikatoren innerhalb der Stadtgesellschaft. Ziel ist es, das Thema niedrigschwelliger Beratung sichtbar zu machen und den Zugang zu Unterstützung im Alltag selbstverständlich werden zu lassen.
Interessierte Unternehmen und Einrichtungen können sich direkt melden unter: kontakt@bohris.net
Pilotprojekt mit Perspektive
Das neue Beratungsangebot ist zunächst als einjähriges Pilotprojekt angelegt. In diesem Zeitraum wird erprobt, wie die wohnortnahe Sprechstunde in Bocholt angenommen wird und welchen konkreten Bedarf es vor Ort gibt. Die Erfahrungen aus der Praxis sollen dazu beitragen, die weitere Entwicklung realistisch einschätzen zu können.
Das Ärztenetz BOHRIS versteht seine Rolle dabei bewusst als Impulsgeber: Ziel ist es, den Aufbau eines niedrigschwelligen Angebots zu ermöglichen, Strukturen anzustoßen und die relevanten Akteurinnen und Akteure miteinander zu vernetzen. Langfristig geht es nicht darum, dass BOHRIS das Projekt dauerhaft trägt, sondern darum, den Grundstein für eine stabile Beratungsstruktur zu legen, die perspektivisch von geeigneten Partnern oder Trägern weitergeführt werden kann.
Mit diesem Engagement setzen das Ärztenetz BOHRIS und Frauen für Frauen e. V. ein gemeinsames Signal für eine moderne, alltagsnahe und gut vernetzte Unterstützung von Frauen in der Region – mit dem Ziel, nachhaltige Strukturen zu schaffen, die über die Projektlaufzeit hinauswirken.
