Der Vorstand und die Netzmanagerin des Ärztenetzes BOHRIS stehen gemeinsam auf einer Außentreppe eines Backsteingebäudes und blicken in die Kamera.

Der Vorstand und die Netzmanagerin des Ärztenetzes BOHRIS freuen sich über die Zertifizierung des Netzes in die höchste Stufe der KVWL. © Mü12 Verlag – Kirsten Buß

04.07.2026

10 Jahre Ärztenetz BOHRIS – Wie aus einer Idee ein starkes Netzwerk wurde

Vor zehn Jahren wurde in Bocholt ein Projekt ins Leben gerufen, das heute aus der regionalen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken ist: das Ärztenetz BOHRIS. Was 2016 als gemeinsame Initiative von Kommunen und Ärzteschaft begann, hat sich zu einem leistungsfähigen Netzwerk mit mittlerweile 97 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten entwickelt – getragen von Zusammenarbeit, Engagement und einem klaren Ziel: die medizinische Versorgung vor Ort langfristig zu sichern.

Doch was bedeutet ein solches Netzwerk eigentlich konkret?

Ein Praxisnetz bezeichnet den strukturierten Zusammenschluss eigenständig tätiger Arztpraxen, die ihre Zusammenarbeit gezielt intensivieren, sich regelmäßig fachlich austauschen und gemeinsame organisatorische Strukturen entwickeln. Ziel ist es, die medizinische Versorgung für Patientinnen und Patienten besser zu koordinieren, Behandlungsabläufe effizienter aufeinander abzustimmen und die Versorgungsqualität insgesamt zu steigern – bei gleichzeitiger Wahrung der ärztlichen Unabhängigkeit der einzelnen Praxen.

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Warum das Ärztenetz gegründet wurde

Die Ausgangssituation war klar: Eine zunehmend älter werdende Bevölkerung, steigende Anforderungen an die medizinische Versorgung sowie ein absehbarer Mangel an Ärztinnen und Ärzten stellten die Region bereits früh vor erhebliche Herausforderungen.

Um diesen Entwicklungen aktiv zu begegnen, ergriffen die Städte Bocholt, Rhede und Isselburg gemeinsam mit engagierten Medizinerinnen und Medizinern die Initiative. Ziel war es, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern und neue, tragfähige Strukturen der Zusammenarbeit zu schaffen.

Am 7. April 2016 wurde das Ärztenetz BOHRIS offiziell gegründet.

Damit nahmen die drei Kommunen frühzeitig eine Vorreiterrolle ein und setzten bereits zu diesem Zeitpunkt auf eine vorausschauende und interkommunale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Während vergleichbare Entwicklungen in vielen Regionen erst deutlich später in den Fokus rückten, wurde hier frühzeitig erkannt, wie entscheidend vernetzte Strukturen für eine zukunftssichere Versorgung sind.

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Der entscheidende Baustein: Förderung und Strukturaufbau

Ein wesentlicher Impuls für die Entwicklung des Netzwerks war die Förderung aus dem europäischen LEADER-Programm. Mit rund 111.000 Euro konnten frühzeitig die strukturellen Grundlagen geschaffen werden, um die Zusammenarbeit zwischen den Praxen systematisch aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Dabei zeigte sich schnell, dass ein funktionierendes Netzwerk mehr erfordert als die bloße Beteiligung einzelner Praxen. Notwendig sind klare Strukturen, verlässliche Kommunikationswege und eine zentrale Koordination, die den Austausch organisiert und gemeinsame Entwicklungen vorantreibt. Ziel war es daher, eine tragfähige Plattform zu etablieren, die den fachlichen Austausch stärkt, Projekte ermöglicht und neue Versorgungsansätze fördert.

Mit dem Aufbau eines professionellen Netzmanagements wurde dieser Ansatz konsequent weiterentwickelt. Seit 2021 übernimmt Sarah Underberg diese zentrale Funktion. Als Netzmanagerin fungiert sie als koordinierende Schnittstelle und zentrale Ansprechpartnerin innerhalb des Netzwerks. In enger Abstimmung mit dem Vorstand und den Mitgliedspraxen steuert sie die Zusammenarbeit, initiiert Projekte und sorgt für strukturierte Kommunikationsprozesse zwischen Praxen, Kommunen und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen.

Damit ist sie seit mittlerweile nahezu der Hälfte des Bestehens ein prägender Bestandteil der kontinuierlichen Weiterentwicklung und Professionalisierung des Ärztenetzes BOHRIS.

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Vom Projekt zur Anerkennung als Praxisnetz: Ein Meilenstein in der Entwicklung

Ein entscheidender Schritt in der Weiterentwicklung des Ärztenetzes BOHRIS erfolgte im Jahr 2019 mit der offiziellen Anerkennung als Praxisnetz durch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Praxisnetze sind Teil einer bundesweiten Entwicklung, die bereits in den 1990er-Jahren ihren Anfang nahm. Ziel dieser Zusammenschlüsse ist es, die Zusammenarbeit zwischen eigenständigen Praxen zu stärken und die Qualität der medizinischen Versorgung nachhaltig zu verbessern.

Auch gesundheitspolitisch wurde die Bedeutung solcher Strukturen früh erkannt: Praxisnetze wurden in das Fünfte Sozialgesetzbuch aufgenommen (§ 87b SGB V) und damit erstmals als fester Bestandteil der medizinischen Versorgung verankert. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz von 2012 wurde schließlich die Grundlage für eine systematische Anerkennung und gezielte Förderung dieser Netzwerke geschaffen.

Die Anerkennung als Praxisnetz erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren und ist an definierte Qualitäts- und Strukturkriterien gebunden. Für das Ärztenetz BOHRIS bedeutete dies einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess: Nach der Aufnahme in die Basisstufe im Jahr 2019 folgte 2023 die Anerkennung in Stufe 1 und schließlich 2025 die Zertifizierung in die höchste Stufe 2.

Mit jeder erreichten Stufe konnten die internen Strukturen weiter professionalisiert, die Zusammenarbeit intensiviert und die Rolle des Netzwerks in der regionalen Versorgung nachhaltig gestärkt werden. Gleichzeitig bildete die Anerkennung die Grundlage für eine zunehmende organisatorische und finanzielle Unabhängigkeit des Netzwerks und ermöglichte es, eigene Strukturen und Entwicklungen eigenständig voranzutreiben.

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Menschen, die das Netzwerk geprägt haben

Der Erfolg des Ärztenetzes BOHRIS ist untrennbar mit den Persönlichkeiten verbunden, die seine Entwicklung über viele Jahre hinweg engagiert begleitet und maßgeblich gestaltet haben.

Besonders hervorzuheben ist Dr. Michael Adam, Mitinitiator und langjähriger Geschäftsführer des Netzwerks, der BOHRIS von der Gründung an mit großem persönlichem Einsatz geprägt hat. Im Jahr 2023 übergab er die Geschäftsführung an Dr. Jens Winkelmann und leitete damit einen gelungenen Generationswechsel ein.

Ein ebenso bedeutender Beitrag ist Elisabeth Böing von der Stadt Bocholt zuzuschreiben, die den Aufbau des Ärztenetzes bis 2021 federführend begleitet hat. Als zentrale Ansprechpartnerin auf kommunaler Seite hat sie die Vernetzung zwischen Städten, Ärzteschaft und weiteren Akteuren maßgeblich unterstützt und mit großem Engagement vorangetrieben.

Das Zusammenspiel aus kommunaler Initiative und ärztlichem Engagement war eine wesentliche Grundlage für den nachhaltigen Erfolg des Netzwerks.

(v.l.): Elisabeth Böing, Dr. Ulrike Frye und Dr. Michael Adam.
Verabschiedung vom scheidenden Geschäftsführer Dr. Michael Adam und Elisabeth Böing, als Kassenprüferin. © Ärztenetz BOHRIS

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Ein starkes Netzwerk mit klaren Strukturen

Heute wird das Ärztenetz von einem engagierten und zukunftsorientierten Team getragen.

Den Vorstand bilden Dr. Christian Goebel (1. Vorsitzender), Dr. Martin Wissing (2. Vorsitzender), Dr. Guido Euting (Kassenwart) und Dr. Martin Krüger (Schriftführer). Die Geschäftsführung liegt bei Dr. Jens Winkelmann. Ergänzt wird die Struktur durch einen siebenköpfigen Beirat, der die fachliche Vielfalt des Netzwerks widerspiegelt.

Die enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Kommunen ist bis heute ein zentraler Bestandteil des Netzwerks. Für die Stadt Bocholt ist seit 2021 Lisa Knuf Ansprechpartnerin, in Rhede begleitet Jutta Holthöfer-Bühse das Ärztenetz bereits seit seiner Gründung, und für Isselburg ist seit 2025 Kerstin Neumann zuständig.

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Blick in die Zukunft

Die Rahmenbedingungen im ambulanten Sektor stehen aktuell vor tiefgreifenden Veränderungen. Der zunehmende Fachkräftemangel, steigende bürokratische Anforderungen, der demografische Wandel sowie wachsende Erwartungen an eine moderne, digital unterstützte Versorgung stellen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte vor immer größere Herausforderungen.

Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Vernetzung weiter an Bedeutung. Kooperation, abgestimmte Prozesse und der gemeinsame Austausch werden künftig noch stärker darüber entscheiden, wie stabil und leistungsfähig die medizinische Versorgung in der Region bleibt.

Das Ärztenetz BOHRIS versteht sich dabei auch in Zukunft als Plattform, die Orientierung bietet, Zusammenarbeit fördert und neue Impulse setzt. Im Fokus stehen insbesondere die Gewinnung und Begleitung von ärztlichem Nachwuchs, die Weiterentwicklung digitaler und sektorenübergreifender Versorgungsansätze sowie die nachhaltige Sicherung einer wohnortnahen medizinischen Betreuung.

Das Ärztenetz BOHRIS hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stabilen, funktionierenden Netzwerk entwickelt und ist heute ein verlässlicher Partner im Gesundheitswesen.

Pressekontakt: Sarah Underberg – sarah.underberg@bohris.net – Tel.: 0151 728 77 0 99